| In diesen Tagen findet in Estland eine Volkszählung statt. Aufgerufen zur Teilnahme sind alle Einwohner, gleich ob sie estnische Staatsbürger sind oder nicht, wenn sie ihren ständigen Wohnsitz in Estland haben (genaue Einzelheiten finden Sie unter den unten angegebenen Links zur offiziellen Homepage der Volkszählung). Die Deutsche Gemeinde ruft ihre Mitglieder auf, sich im Rahmen der Volkszählung zu ihrem lutherischen Glauben (Fragen A21 und A21A), ihrer deutschen Volkszugehörigkeit (Frage A17) und zu ihrer deutschen Sprache (Frage A19 oder Fragen A20 und A20A) zu bekennen. Niemand muss hierdurch einen Nachteil befürchten. Ein Muster des Fragebogens finden Sie hier. Informationen in englischer Sprache zur Volkszählung finden Sie hier und in russischer Sprache hier. |
Herzlich willkommen - oder wie es auf Estnisch heißt: Tere tulemast!
Liebe Mitglieder und Freunde der deutschsprachigen Gemeinde in Estland,
das neue Jahr bringt in Estland ein geradezu weihnachtliches Ereignis: Eine Volkszählung. Ganz wie es Estlands Technisierungsgrad entspricht wird sie über Internet durchgeführt. Nur zu denjenigen, die bis zum Stichtag nicht geantwortet haben, und zu denen, die keinen Internetanschluss haben, kommen "Volkszähler" nach Hause. Im Vorfeld wurde viel Werbung gemacht: Sogar in unserem Gemeindebüro ist eine Postwurfsendung mit 10 Informationsblättern und 5 Plakaten angekommen. Auf den Plakaten sind im Hintergrund in Schwarz-weiss Portraits von estnischen Dichtern während vor dem Bild ein glücklicher, junger Mensch (Mann oder Frau) einen begeisternden Luftsprung, mit Blick in die Kamera, vollführt. Volkszählung macht offenbar ungeheuren Spass. Sie verbindet uns zudem mit unseren Vorfahren, besonders mit denen, die etwas geleistet haben. In einer Piktogrammzeile unten auf dem Plakat sind Herzen, Männchen, Familien und Häuser dargestellt, in warmem Rot bei einer hüpfenden Blondine und einem hüpfenden, jungen Bartträger, in national-rationalem Blau bei einem smarten Anzugträger. In der Infobroschüre wird in estnisch und russisch auf die Umstände der Volkszählung hingewiesen. Alles ist in entschlossenem, aber beruhigenden Ton gehalten: So wir erwähnt, dass Beteiligung verpflichtend ist, da nur so notwendigen Daten für Planungen in den nächsten Jahren erhoben werden können (die Geldstrafe bei Nichtbeteiligung liegt bei bis zu 2000 Euro, Quelle: epl). Dieselbe Notwendigkeit wird in einem Zitat aus einer Volkszählungsbroschüre von 1922 betont. Beruhigt werden wir damit, dass keine Einkommen abgefragt würden, und die Daten ausschliesslich statistischen Zwecken dienten, also nicht an andere

Nikolaikirche Tallinn
Regierungsbehörden weitergegeben werden. Im übrigen sei von der UNO eine weltweite Volkszählung angestrebt, auch z.B. in China würde gerade gezählt werden.
Vor einigen Tagen überraschte unser Premierminister Andrus Ansip mit der Einschätzung, dass in den letzten 20 Jahren lediglich 1500 Menschen jährlich Estland verlassen haben, also insgesamt nur etwa 30 000. Die gefühlte Zahl und auch die Zahlen, die von Zeitungen genannt werden, sind beinahe eine Zehnerpotenz höher. Wird es denn für den Premierminister eine grosse Überraschung geben, wenn im Mai die gesammelten Zahlen veröffentlicht werden? Nein, sicher nicht. Die Zahlen werden höchstwahrscheinlich der Schätzung des Ministerpräsidenten entsprechen. Nicht, weil sie den Tatsachen entspricht, sondern weil niemand etwas gewönne, wenn wir plötzlich 300 000 weniger wären: Sämtliche Bezuschussungsschlüssel für Kommunen usw. müssten angepasst werden, es wäre mit einem Schlag weniger Geld für den Bürge da, und die Bedeutung Estlands in Europa, sowie der Ruf aller in den letzten 10 Jahren an der Regierung beteiligter Parteien würde leiden. Zudem müsste man vermutlich über ein anderes Steuersystem nachdenken und darüber, wie man Menschen dazu bringt, hierher zurückzukehren, oder wenigstens zu bleiben. Es werden vermutlich einfach alle, die längst in Finnland oder sonst in Europa leben und arbeiten, hier lediglich noch irgendwie gemeldet und nur ab und zu hier sind, elektronisch mitgezählt werden. Im übrigen sind die tatsächlichen Daten, wie auch schon im Vorfeld zugegeben wurde, eigentlich vorhanden, sie ergeben sich aus den bei den Ordnungsbehörden und dem Finanzamt gespeicherten Daten. Wozu also dann die Volkszählung? Vielleicht um zum einen ein guter Musterschüler zu bleiben, und zu machen, was die Uno sagt. Mir drängt sich zusätzlich ein Verdacht auf: Die Betrachtung der Fragen ist insofern irritierend, dass nach Eltern (auch verstorbenen Eltern) und nach GEBURTEN, also nicht nach Kindern, gefragt wird-das kann ein schmerzhafter Unterschied sein! Wenn man die Welt heute mit der vor 10 Jahren vergleicht, ist auffallend, wieviele unserer Daten mittlerweile irgendwem irgendwo bekannt sind. Abhören und GoogleStreet, Videoüberwachung und Onlinenetzwerke, Volkszählung, Genkartierung und satellitengeortete Mobiltelefone ergeben in der Summe eine grosse Informationsmenge. Bei jedem und jeder gibt es irgendetwas zu finden, dass wenigstens interessant, vielleicht sogar nicht ganz legal ist: Die verspätete Begleichung einer Strafe wegen Falschparkens (ich stand mit zwei Rädern auf dem Bordstein vor unserem Haus, wo ich gerade einen Rollstuhl für unsere gehbehinderte Nachbarin ausgeladen hatte) brachte mir einen Eintrag im staatlichen Register: Jeder, der meinen Namen in die Suchfunktion eingibt, sieht Höhe und Grund der Strafe, nicht aber etwas über mögliche Begleitumstände, wie, dass hier eigentlich niemand behindert wurde (sogar der Rollstuhl passte bequem am Auto vorbei). Indizien dafür, dass ich mich nicht immer völlig regelkonform verhalte, gibt es tausende. Wenn diese alle gesammelt werden, können sie auch gegen mich verwendet werden. Stark ist der, der seine Gegner oder seine Bürger in der Hand hat.
Vor einigen Tagen überraschte unser Premierminister Andrus Ansip mit der Einschätzung, dass in den letzten 20 Jahren lediglich 1500 Menschen jährlich Estland verlassen haben, also insgesamt nur etwa 30 000. Die gefühlte Zahl und auch die Zahlen, die von Zeitungen genannt werden, sind beinahe eine Zehnerpotenz höher. Wird es denn für den Premierminister eine grosse Überraschung geben, wenn im Mai die gesammelten Zahlen veröffentlicht werden? Nein, sicher nicht. Die Zahlen werden höchstwahrscheinlich der Schätzung des Ministerpräsidenten entsprechen. Nicht, weil sie den Tatsachen entspricht, sondern weil niemand etwas gewönne, wenn wir plötzlich 300 000 weniger wären: Sämtliche Bezuschussungsschlüssel für Kommunen usw. müssten angepasst werden, es wäre mit einem Schlag weniger Geld für den Bürge da, und die Bedeutung Estlands in Europa, sowie der Ruf aller in den letzten 10 Jahren an der Regierung beteiligter Parteien würde leiden. Zudem müsste man vermutlich über ein anderes Steuersystem nachdenken und darüber, wie man Menschen dazu bringt, hierher zurückzukehren, oder wenigstens zu bleiben. Es werden vermutlich einfach alle, die längst in Finnland oder sonst in Europa leben und arbeiten, hier lediglich noch irgendwie gemeldet und nur ab und zu hier sind, elektronisch mitgezählt werden. Im übrigen sind die tatsächlichen Daten, wie auch schon im Vorfeld zugegeben wurde, eigentlich vorhanden, sie ergeben sich aus den bei den Ordnungsbehörden und dem Finanzamt gespeicherten Daten. Wozu also dann die Volkszählung? Vielleicht um zum einen ein guter Musterschüler zu bleiben, und zu machen, was die Uno sagt. Mir drängt sich zusätzlich ein Verdacht auf: Die Betrachtung der Fragen ist insofern irritierend, dass nach Eltern (auch verstorbenen Eltern) und nach GEBURTEN, also nicht nach Kindern, gefragt wird-das kann ein schmerzhafter Unterschied sein! Wenn man die Welt heute mit der vor 10 Jahren vergleicht, ist auffallend, wieviele unserer Daten mittlerweile irgendwem irgendwo bekannt sind. Abhören und GoogleStreet, Videoüberwachung und Onlinenetzwerke, Volkszählung, Genkartierung und satellitengeortete Mobiltelefone ergeben in der Summe eine grosse Informationsmenge. Bei jedem und jeder gibt es irgendetwas zu finden, dass wenigstens interessant, vielleicht sogar nicht ganz legal ist: Die verspätete Begleichung einer Strafe wegen Falschparkens (ich stand mit zwei Rädern auf dem Bordstein vor unserem Haus, wo ich gerade einen Rollstuhl für unsere gehbehinderte Nachbarin ausgeladen hatte) brachte mir einen Eintrag im staatlichen Register: Jeder, der meinen Namen in die Suchfunktion eingibt, sieht Höhe und Grund der Strafe, nicht aber etwas über mögliche Begleitumstände, wie, dass hier eigentlich niemand behindert wurde (sogar der Rollstuhl passte bequem am Auto vorbei). Indizien dafür, dass ich mich nicht immer völlig regelkonform verhalte, gibt es tausende. Wenn diese alle gesammelt werden, können sie auch gegen mich verwendet werden. Stark ist der, der seine Gegner oder seine Bürger in der Hand hat.
Gottes Kraft ist in den SCHWACHEN mächtig. Wie der totalitäre Staat der Vergangenheit machtlos war gegen Singen, Beten und Kerzen halten, machtlos gegen Menschen, die sich dessen bewusst sind, dass sie Menschen sind - ein bisschen frei und gleichzeitig in ihren Fähigkeiten begrenzt, manchmal das Richtige und oft das Falsche tuend, schwach und fehlerhaft, aber gerade darin frei, dass sie es zugeben können - genauso wird die Überwachungsgesellschaft der Zukunft sich am Menschen die Zähne ausbeissen und plötzlich wieder dahin verschwinden, woher sie kam. Der Schwache ist dann mächtig, wenn er sich an Gottes Gnade genügen lässt, wenn er nicht versucht, mehr aus sich zu machen, als was
Gott aus ihm gemacht hat und macht. Wer sich selbst zurücknimmt, gibt Gott Raum, in uns und durch uns sein Werk zu tun. Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig-auch bei uns, in den Menschen in unserenGemeinden. Dass wir in diesem Jahr die Güte und Gnade Gottes in Jesus Christus spüren und erleben, das wünsche ich uns allen!
Gott aus ihm gemacht hat und macht. Wer sich selbst zurücknimmt, gibt Gott Raum, in uns und durch uns sein Werk zu tun. Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig-auch bei uns, in den Menschen in unserenGemeinden. Dass wir in diesem Jahr die Güte und Gnade Gottes in Jesus Christus spüren und erleben, das wünsche ich uns allen!
Mit herzlichen Segenswünschen
Ihr/Euer Pfarrer Matthias Burghardt
Ihr/Euer Pfarrer Matthias Burghardt
